top of page

Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz – vom Pandabären bis zum Tierheim im Thurgau

6. Okt.
3 Min. Lesezeit

«Ich engagiere mich im Tierschutz.» Ein Satz, bei dem alle zustimmend nicken – und jeder an etwas anderes denkt. Die eine sieht einen Eisbären auf einer schmelzenden Scholle. Der andere eine Tierheimkatze, die seit drei Wochen beleidigt unter dem Regal sitzt.

Beides ist Tierschutz. Und doch hat das eine mit dem anderen ungefähr so viel zu tun wie ein Ozeandampfer mit einem Ruderboot: Beide schwimmen, aber man packt nicht dasselbe ein. Zeit also für eine kleine Sortierhilfe zwischen internationalem Tierschutz und dem Tierheim um die Ecke – mit einem Augenzwinkern.


Internationaler Tierschutz: Plakate, Petitionen, Pandabären

Den grossen Tierschutz kennen wir alle. Er hat ein Logo, einen Spendenbrief im Dezember und meistens ein Tier im Wappen, das bei uns höchstens im Zoo wohnt. Er kümmert sich um Regenwälder, Meere, Wildtierhandel und Massentierhaltung – und er tut das mit Juristinnen, Kampagnen und langem Atem.

Seine Arbeit findet oft weit weg statt: in Verhandlungssälen, auf anderen Kontinenten, in Gesetzestexten. Das Tier, um das es geht, bekommt man selten zu Gesicht. Dafür geht es um viele auf einmal – um ganze Arten, ganze Lebensräume, ganze Systeme.


Das ist wichtig und richtig. Nur: Wenn am Sonntagabend eine abgemagerte Katze im Gartenschopf sitzt, hilft ein Positionspapier zum Artenschutz herzlich wenig.

Tierschutz

Regionaler Tierschutz: Tierheim, Katzenhaus, Flohkamm

Dann gibt es den anderen, den regionalen Tierschutz. Den ohne Logo auf dem Flugzeug, dafür mit Katzenhaaren auf dem Pullover. Er findet in Tierheimen statt, in Katzenhäusern, in Auffangstationen und erstaunlich oft in privaten Waschküchen.

Hier hat das Tier einen Namen, eine Vorgeschichte und eine Meinung zum Futter. Geschützt wird ganz konkret: aufnehmen, entwurmen, kastrieren, gesund pflegen, Vertrauen aufbauen, ein Zuhause suchen. Und am nächsten Morgen wieder von vorn.

Glamourös ist das selten. Die Erfolgsmeldung lautet nicht «Schutzgebiet um 10 000 Hektaren erweitert», sondern «Mimi hat heute zum ersten Mal aus der Hand gefressen». Wer je eine scheue Katze begleitet hat, weiss: Das ist mindestens so viel wert.

Getragen wird dieser Tierschutz von Menschen, die nach Feierabend noch Boxen reinigen, Fundtiere abholen und Flaschenkinder im Zweistundentakt füttern. Sie verändern nicht die Welt – aber für dieses eine Tier die ganze.


Tierschutz im Thurgau: ein Tierschutzzentrum für Tiere von hier

Genau um diesen zweiten Tierschutz geht es, wenn hier im Thurgau von einem Tierschutzzentrum die Rede ist. Die Stiftung Tierschutzzentrum Thurgau möchte ein Tierheim bauen – für in Not geratene Tiere, vor allem jene, die bei den Thurgauer Tierschutzvereinen landen.

Keine Elefanten also, keine Orang-Utans. Sondern die Katze aus Amriswil, der Hund aus Frauenfeld, das Kaninchen aus dem Nachbardorf. Einheimische Tiere, die ein Dach, einen Napf und eine zweite Chance brauchen.

Das klingt unspektakulär und ist gerade deshalb so nötig. Denn Tiere in Not gibt es nicht nur am anderen Ende der Welt. Manchmal sitzen sie drei Strassen weiter – und brauchen einen Ort, an den man sie bringen kann.

Hunde Katzen Nager Tierschutz

Tierschutz unterstützen: kein entweder oder!

Welcher Tierschutz ist nun der richtige? Beide. Der grosse sorgt dafür, dass sich Regeln und Rahmenbedingungen ändern. Der kleine sorgt dafür, dass heute Abend jemand die Tür aufmacht.

Hilfreich ist nur, den Unterschied zu kennen. Wer für den Regenwald spendet, hat damit noch kein Tierheim in der Region unterstützt – und umgekehrt. Es lohnt sich also, kurz hinzuschauen, wohin das eigene Herz und der eigene Franken gerade gehen sollen.

Und wer nicht spenden kann oder mag: Der regionale Tierschutz nimmt auch Zeit, Decken, Futter und Fahrdienste. Oder ganz einfach einen Platz auf dem Sofa für ein Tier, das schon lange auf einen wartet.

Tierschutz ist eben nicht gleich Tierschutz. Zum Glück – denn es braucht den Ozeandampfer genauso wie das Ruderboot.

Kommentare


bottom of page