Warum Katzen einmal im Jahr zur Gesundheitsuntersuchung beim Tierarzt sollten
- Sandra Ricchiuto
- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
„Meiner Katze geht es doch gut.“Diesen Satz höre ich als Katzenverhaltenstherapeutin, Tiertherapeutin und Tierpsychologin sehr häufig – und ich verstehe ihn gut. Katzen wirken oft ruhig, ausgeglichen und zufrieden. Sie fressen, schlafen, spielen vielleicht sogar noch. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Katzen sind Meister darin, Schmerzen und Krankheiten zu verbergen.
In der freien Natur wäre es lebensgefährlich, Schwäche zu zeigen. Dieses Verhalten tragen unsere Hauskatzen bis heute in sich. Das bedeutet leider auch, dass viele gesundheitliche Probleme erst dann auffallen, wenn sie bereits fortgeschritten sind. Eine jährliche Gesundheitsuntersuchung beim Tierarzt ist deshalb kein übertriebener Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil verantwortungsvoller Katzenhaltung.

Wenn Katzen krank sind, wird es oft leise
Im Gegensatz zu Hunden zeigen Katzen Unwohlsein selten deutlich. Sie schreien nicht, humpeln kaum sichtbar und ziehen sich eher zurück, als Aufmerksamkeit zu suchen. Statt klarer Symptome gibt es oft nur kleine Veränderungen, die im Alltag schnell untergehen.
Dazu gehören zum Beispiel:
vermehrtes Schlafen oder Rückzug
weniger Spielverhalten
Veränderungen beim Fressen oder Trinken
Unsauberkeit
plötzliches aggressives, ängstliches oder reizbares Verhalten
Viele Halter interpretieren solche Veränderungen als „Alterserscheinung“ oder „Laune“. Aus meiner Erfahrung weiss ich jedoch: Sehr häufig steckt ein gesundheitliches Problem dahinter.
Was bei einer jährlichen Gesundheitsuntersuchung geprüft wird
Eine Vorsorgeuntersuchung ist kein belastender Eingriff, sondern ein umfassender Blick auf den aktuellen Gesundheitszustand deiner Katze. Ziel ist es nicht, zwanghaft Krankheiten zu finden, sondern frühzeitig Veränderungen zu erkennen, bevor sie Schmerzen oder Folgeschäden verursachen.
In der Regel gehören dazu:
Abhören von Herz und Lunge
Kontrolle von Zähnen und Maulraum
Untersuchung von Augen und Ohren
Gewichtskontrolle und Beurteilung des Körperzustands
Abtasten von Bauch und Organen
je nach Alter und Vorgeschichte Blut- oder Urinuntersuchungen
Gerade Erkrankungen wie Nierenprobleme, Zahnprobleme, Schilddrüsenerkrankungen oder Arthrose entwickeln sich oft schleichend – und bleiben ohne Vorsorge lange unentdeckt.
Gesundheit und Verhalten sind untrennbar verbunden
Ein besonders wichtiger Punkt aus meiner Arbeit als Katzenverhaltenstherapeutin: Verhalten ist oft ein Spiegel der körperlichen Gesundheit.
Viele sogenannte „Verhaltensprobleme“ haben eine medizinische Ursache. Dazu zählen unter anderem:
Aggression durch Schmerzen
Unsauberkeit bei Harnwegs- oder Blasenproblemen
Angst oder Rückzug durch hormonelle Veränderungen
Reizbarkeit durch chronisches Unwohlsein
Deshalb sollte bei jeder Verhaltensauffälligkeit immer auch die körperliche Gesundheit überprüft werden. Die jährliche Gesundheitsuntersuchung ist hier eine wichtige Grundlage – auch präventiv.
Für welche Katzen ist der jährliche Check besonders wichtig?
Grundsätzlich gilt: für jede Katze, egal ob Wohnungskatze oder Freigänger. Gerade Wohnungskatzen bewegen sich oft weniger, zeigen Veränderungen subtiler und werden im Alltag als „unauffällig“ wahrgenommen.
Besonders empfehlenswert ist die jährliche Untersuchung:
ab dem 7. Lebensjahr (Seniorenalter)
bei chronischen Erkrankungen
bei sensiblen, ängstlichen oder verhaltensauffälligen Katzen
bei Katzen, die Stress schlecht zeigen
Je älter die Katze wird, desto sinnvoller kann sogar ein halbjährlicher Check sein – individuell abgestimmt.
Ganzheitliche Gesundheit: Mehr als nur der Tierarztbesuch
Die Tiermedizin ist ein zentraler Baustein der Vorsorge. Doch echte Gesundheit entsteht im Zusammenspiel von Körper, Psyche und Umfeld. Als Tiertherapeutin und Tierpsychologin betrachte ich Katzen immer ganzheitlich.
Dazu gehören unter anderem:
stressarme Lebensbedingungen
artgerechte Beschäftigung und Rückzugsmöglichkeiten
hochwertige, passende Ernährung
aufmerksame Beobachtung von Verhalten und Stimmung
Ein regelmässiger Gesundheitscheck hilft dabei, diese Faktoren sinnvoll zu ergänzen und Veränderungen früh einzuordnen.
Fazit: Vorsorge ist Fürsorge
Der jährliche Tierarztbesuch ist kein Zeichen von Misstrauen gegenüber der eigenen Wahrnehmung – sondern ein Akt der Verantwortung und Liebe. Deine Katze kann dir nicht sagen, wenn sie Schmerzen hat oder sich unwohl fühlt. Doch du kannst dafür sorgen, dass sie gesehen, gehört und ernst genommen wird.
Je früher gesundheitliche Veränderungen erkannt werden, desto sanfter, erfolgreicher und oft auch kostengünstiger ist die Behandlung.
Gesundheitsvorsorge schenkt deiner Katze Lebensqualität – und dir Sicherheit.
PS: Und ja – ich weis es 😅 Allein der Gedanke an die Transportbox sorgt bei dir für leichte Bauchschmerzen und bei deiner Katze vermutlich für den spontanen Wunsch, unsichtbar zu werden. Genau deshalb dreht sich der nächste Blogbeitrag um dieses Thema: Wie wir Transportbox und Auto so gestalten können, dass der Tierarztbesuch für deine Katze nicht mehr als Katastrophenfilm läuft, sondern Schritt für Schritt zu einem möglichst positiven Erlebnis wird. Bleib dran – deine Katze (und dein Nervenkostüm) werden es dir danken



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